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"Das kann ich noch!"
Alzheimer-Patienten erleben gerade zu Beginn ihrer Erkrankung hautnah, wie ihr Gedächtnis sie im Stich lässt. Dazu kommt, dass Angehörige vielleicht zunächst nicht wissen, was hinter den Problemen steckt. So besteht die Gefahr der ständigen Überforderung, die den Rückzug des Betroffenen aus seinem persönlichen Umfeld fördert.
Leistungsreserven fördern
Alzheimer-Kranke verlieren nicht alle intellektuellen Fähigkeiten gleichzeitig. Betroffen ist zunächst vor allem die Fähigkeit zur Speicherung neuer Information. Daher hat ein reines Gedächtnistraining ("Hirnjogging") leider keinen Erfolg. Im Gegenteil: Solche Übungen führen den Patienten immer wieder ihre Mängel vor Augen, sie enttäuschen oder verärgern sie sogar.
Dagegen haben sich Verfahren der geistigen Aktivierung bewährt. Sie greifen auf Fähigkeiten zurück, die von der Alzheimer-Krankheit weniger stark berührt werden.
Welche nichtmedikamentösen Therapieformen gibt es?
Unspezifisches Gedächtnistraining/Gedächtnisstützen
Der Erkrankte erfährt, wie er mit seinem nachlassenden Gedächtnis
umgehen kann, z. B. durch Merkzettel, Notizbuch, Kalender,
aufgestellte Gegenstände. Auch das Training des Bilder- und
Sprachgedächtnisses
oder die Verknüpfung zwischen Namen und Gesichtern oder Gegenständen
und Orten ist wirksam und steigert die geistige Aktivierung.
Verhaltenstherapie
Diese Therapieform zielt auf den Alltag des Betroffenen ab. Es können problematische Verhaltensweisen angegangen und eine größere Selbstständigkeit erreicht werden, z. B. beim Baden oder Anziehen. Eingesetzt werden vor allem Belohnungen, die eine Änderung des Verhaltens bewirken.
Alltagstraining
Hier werden Routineaufgaben eingeübt und die Möglichkeit zur Orientierung über Ort und Zeit gegeben. Eine wichtige Behandlungsform stellt hierbei die Ergotherapie dar. Bei der Realitätsorientierungs-Therapie (ROT) liegt die Betonung auf Orientierungshilfe; vermittelt werden immer wieder Informationen zu Tageszeit, Wochentag, Tagesablauf und Aktivitäten.
Selbst-Erhaltungstherapie (SET)
Durch die Beschäftigung mit wertvollen und erhaltenden Erinnerungen
z. B. durch
den Umgang mit Fotoalben aus der Vergangenheit des Erkrankten,
früheren Musikstücken, Filmausschnitten oder Buchtexten
wird versucht, Identität und Würde des Betroffenen aufrechtzuerhalten.
Die Selbst-Erhaltungstherapie strebt an, die Persönlichkeit und Selbstwertgefühl
länger zu erhalten, indem sie an weniger beeinträchtigte Fähigkeiten
anknüpft.
Weitere integrale Bestandteile dieses einzigartigen Therapiekonzepts
sind ein bestätigender, positiver Umgang mit den Erkrankten, fördernde
Aktivität und Einbeziehung der betreuenden Angehörigen in die Therapie.
Durchgeführt wird die Selbst-Erhaltungstherapie im Alzheimer Therapie-Zentrum
in Bad Aibling.
Weitere Therapieformen
- Milieutherapie: Hier wird der Wohn- und Lebensbereich verändert, damit der Betroffene seine nicht genutzten Fähigkeiten aktiviert und nutzen kann.
- Musik- und Kunsttherapie: Sie erschließen Alzheimer-Kranken andere Formen der Kommunikation, z. B. Emotionalität und Kreativität, und des therapeutischen Zugangs
Unterstützung & Hilfe
Missverständnisse, unfruchtbare Auseinandersetzungen, aufbrechende Gefühle – das Zusammenleben in der Familie wird durch die nachlassende geistige Leistungsfähigkeit, problematische Verhaltensweisen und die zunehmende Hilfsbedürftigkeit der Erkrankten immer komplizierter.
Einige grundsätzliche Tipps für den Umgang mit Betroffenen
- Erkennen Sie die Sichtweise des Patienten als für ihn gültig an.
- Vermeiden Sie fruchtlose Diskussionen.
- Lenken Sie ab anstatt zu konfrontieren.
- Nutzen Sie nichtsprachliche Verständigungsmöglichkeiten.
- Erkennen und verstärken Sie verbliebene Fähigkeiten.
Betroffene, Angehörige, Freunde und Betreuer benötigen konkreten Rat, Hilfe und Informationen, um den gemeinsamen Alltag möglichst optimal zu gestalten:
- Nehmen Sie Kontakt zu Angehörigen-Gruppen oder (lokalen) Alzheimer-Gesellschaften auf. Mehr ...
- Erkennen und meistern Sie problematische Verhaltensweisen. Mehr ...
- Lernen Sie mit körperlichen Störungen umzugehen. Mehr ...
- Wie können schwierige Entscheidungen getroffen werden, wie z. B. die Aufklärung über die Diagnose, Autofahren, Finanzangelegenheiten? Mehr ...
- Und schließlich: Der tägliche Umgang mit einem Menschen, der an der Alzheimer-Krankheit leidet, verändert das eigene Leben entscheidend. Mehr ...