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Alzheimer-Kranke werden zu selten mit Demenzmedikamenten behandelt
Die Anzahl der Alzheimer-Kranken nimmt zu
In Deutschland leben zurzeit ca. 700.000 Menschen, die an einer Alzheimer-Demenz leiden. Jährlich treten 125.000 Neuerkrankungen auf. Es handelt sich um eine Erkrankung, die die Lebenserwartung vermindert. Im Durchschnitt leben Betroffene noch 3,3 Jahre, nachdem die Erkrankung festgestellt wurde. Schließt man Patienten aus, bei denen die Erkrankung stufenweise rasch fortschreitet, überleben die Erkrankten im Schnitt 6,6 Jahre.
Bei der Alzheimer-Demenz kommt es nicht nur zu intellektuellen Störungen in mehreren Bereichen, wie dem Denkvermögen, der Orientierung, der Auffassung, der Lernfähigkeit und der Sprache sowie dem Gedächtnis. Außer diesen kognitiven Beeinträchtigungen treten auch Veränderungen im Gefühlsleben, Sozialverhalten oder bei Motivation und Antrieb auf. Es kommt zu psychischen Auffälligkeiten, wie Depressionen, Schlafstörungen mit nächtlichem Umherwandern, Unruhe, Angst, Wahnwahrnehmungen, Halluzinationen und Aggressionen sowie Apathie.
Bereits in den leichten bzw. frühen Erkrankungsstadien der Alzheimer-Demenz sind die Betroffenen infolge der genannten Einbußen in der selbstständigen Lebensführung eingeschränkt. Schreitet die Erkrankung fort, kommt es zu ausgedehnten Funktionseinbußen, die eine umfassende Pflegebedürftigkeit notwendig machen. Die Betroffenen müssen nun rund um die Uhr beaufsichtigt werden.
Durch Medikamente möglich: Verlangsamung des Krankheitsverlaufs
Medikamente gegen die Demenz können die Krankheit zwar nicht heilen. Das Fortschreiten der Symptome wie Gedächtnisverlust, Orientierungslosigkeit und geistige Leistungseinschränkungen kann aber durch bestimmte Medikamente verzögert werden. Da der Nutzen von solchen Arzneimitteln in mehreren Studien bestätigt wurde, empfehlen medizinische Leitlinien den Einsatz dieser Medikamente, die sich als wirksam erwiesen haben, beispielsweise von Cholinesterase-Hemmern.
Medikamente werden zu selten verordnet
Vor kurzem gab der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (VFA) ein Gutachten zur Unterversorgung mit Arzneimitteln in Deutschland in Auftrag, um die Defizite in der Arzneimittelversorgung herauszufinden. Die Analyse zeigte eine Unterversorgung von 74 Prozent der Demenzpatienten. Berücksichtigt man Studien, in denen eine noch größere Unterversorgung nachgewiesen wurde, zeigt sich: Nur etwa jeder fünfte bis achte Alzheimerkranke in Deutschland wird so behandelt, wie es die medizinischen Therapie-Leitlinien vorsehen.
Die Gründe für eine solche Unterversorgung sind vielfältig: Manche Ärzte sind nicht ausreichend über den Nutzen der Medikamente informiert. Ein weiterer möglicher Grund kann sein, dass Ärzte wegen der Budgetierung zu Einsparungen bei den Medikamenten, die sie verschreiben, gezwungen sind.
Kranke und Pflegende haben das Nachsehen
Auswirkungen hat diese Unterversorgung mit Antidementiva nicht nur auf die Erkrankten selber, sondern sie belastet indirekt auch die Familienangehörigen, die zu 80 Prozent die Pflege- und Betreuungsarbeit leisten.
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