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Mitteilung vom 28.08.2008

Langzeitarbeitslose für die Betreuung von Demenzkranken

Die Bundesagentur für Arbeit plant, Langzeitarbeitslose als Pflegeassistenten zur Betreuung von Demenzkranken zu vermitteln. Die Reaktionen auf den Plan sind unterschiedlich, Pflegeexperten äußerten sich kritisch.

Foto: Zwei Damen beim SpielNach einem Plan der Bundesagentur für Arbeit (BA) sollen mehrere tausend Langzeitarbeitslose als Pflegeassistenten zur zusätzlichen Betreuung von Demenzkranken vermittelt werden. Als langzeitarbeitslos gilt jeder, der mehr als zwölf Monate ohne Arbeit ist.

Die neuen Arbeitskräfte sollen das überlastete Pflegepersonal unterstützen. Einen entsprechenden Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) bestätigten Sprecher der BA und des Bundesgesundheitsministeriums.

Nach dem seit 1. Juli 2008 geltenden neuen Pflegegesetz dürfen Pflegeheime pro 25 Demenzkranke je eine zusätzliche Pflegekraft einstellen, das wären bundesweit etwa 10.000 Stellen.

Kurzausbildung und Praktika

Die Pflegeassistenten sollen keine regulären Pflegekräfte ersetzen, sondern nach Angaben beider Sprecher den Kranken das Leben im Alltag erleichtern. Sie sollen eine Fortbildung von 160 Stunden bekommen und Praktika machen, so der Sprecher des Gesundheitsministeriums. Für die Fortbildungen sollen laut BA-Sprecher vor allem Bewerber ausgewählt werden, die bereits Erfahrung mit Pflege haben. Der Sprecher betonte, die Bundesagentur werde darauf achten, dass nur geeignete Bewerber ausgewählt werden. Die für die Fortbildungen infrage kommenden Jobsucher müssten auch eine gewisse Neigung zu einer solchen Arbeit haben und mit Pflegebedürftigen umgehen können.

Pflegevertreter skeptisch

Der Pflegeexperte und Buchautor Claus Fussek aus München, sagte zur Süddeutschen Zeitung: "Man kann nicht jeden in so einen Beruf schicken", und die Grünen-Pflegeexpertin im Bundestag, Elisabeth Scharfenberg, stellte fest: "Man muss sich für diesen Beruf entscheiden und kann nicht hinein-entschieden werden."
Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hingegen signalisierte Unterstützung: Im Vordergrund müsse aber die menschliche Eignung der Bewerber stehen und nicht ihre schwere Vermittelbarkeit.

Deutsche Alzheimer-Gesellschaft: Sorgfältige Auswahl entscheidend

Heike von Lützau-Hohlbein, erste Vorsitzende der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft, erklärte, die sorgfältige Auswahl geeigneter Bewerberinnen und Bewerber für die Qualifizierungsmaßnahmen sei entscheidend. "Wer an den Qualifizierungsmaßnahmen teilnimmt, muss (…) eine zugewandte Haltung gegenüber demenzkranken alten Menschen mitbringen und bereit sein, sich Fachwissen anzueignen und fortzubilden. Wenn dafür geeignete Arbeitslose gefunden werden, ist das nur positiv."

Allerdings solle klar sein, dass es in erster Linie um eine bessere Betreuung Demenzkranker gehe und nicht um eine arbeitspolitische Maßnahme. Von Lützau-Hohlbein bezweifelt, dass die vorgesehenen 100 Stunden Theorie plus 60 Stunden Praxis für Personen ausreichen, die diese Arbeit vielleicht nicht freiwillig tun möchten und möglicherweise gar keine Vorbildung haben.

Quellen:

Spiegel-online: Link öffnet in neuem Fensterwww.spiegel.de vom 16.08.2008
Pressemitteilung der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft vom 20.08.08

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