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Mitteilung vom 25.03.2008

Demenz und Blasenschwäche

Blasenentleerungsstörungen lassen sich häufig gut behandeln.

Viele Demenzpatienten haben Probleme, ihren Harn zurückzuhalten. Beginnt man bereits in einem frühen Stadium mit der Behandlung, kann vielen geholfen werden.

50-60 Prozent der 85-jährigen Männer und Frauen mit Demenz leiden unter Blasenentleerungsstörungen. Viele Patienten werden aus diesem Grund in einem Heim untergebracht.

Die Blasenentleerung ist ein Reflex, bei dem verschiedene Muskeln eine Rolle spielen, unter anderem der so genannte Austreiber-Muskel. Schäden im Gehirn verursachen häufig eine Enthemmung dieses Muskels, der dann überaktiv wird und zum unkontrollierten Wasserlassen führt. Dies bedeutet, dass Betroffene ihre Blase nicht oder kaum willkürlich entleeren bzw. den Urin für eine bestimmte Zeit halten können.

Viele Ursachen möglich

Das gestörte Wasserlassen kann viele Ursachen haben. Zum einen führen Alterserscheinungen zu einer erhöhten Neigung, Urin zu verlieren. Zum anderen tragen auch bestimmte Medikamente oder weitere Erkrankungen, wie beispielsweise ein Diabetes mellitus zur Inkontinenz bei. Ein Harnwegsinfekt kann dieses Problem noch verstärken.

Bei manchen Betroffenen ist die Ursache der Inkontinenz in einem Verwirrtheitszustand zu finden. Dieser kann aufgrund von Stoffwechselstörungen oder durch Nebenwirkung von Medikamenten entstehen und geht zurück, wenn die Ursachen beseitigt sind.

Genaue Feststellung der Ursache lohnt sich

Wichtig ist in jedem Fall, der Ursache für die Inkontinenz auf die Spur zu kommen. Dabei wird der Arzt nach der Krankengeschichte, weiteren Krankheiten und den aktuellen Medikamenten fragen, und versuchen einzuschätzen, wie ausgeprägt die Demenz des Betroffenen ist. Es folgen meist noch einige Untersuchungen, dann kann bei etwa 80 Prozent der Patienten die Behandlung beginnen.

Meist ist ein überaktiver Austreiber-Muskel die Ursache der Probleme. Dies führt zu einer so genannten Dranginkontinenz: Der Betroffene kann den Urin nicht halten. In seltenen Fällen ist der Austreiber-Muskel zu wenig aktiv: Der Kranke kann dann die Blase nicht mehr entleeren. Dadurch staut sich der Urin zurück: zunächst in der Blase, dann in den Harnwegen, in ausgeprägten Fällen bis zu den Nieren.

Besonders im Anfangsstadium einer Dranginkontinenz kann vielen Patienten gut geholfen werden. Da sich einige Medikamente auf die Blasenentleerung auswirken, genügt es manchmal bereits, wenn der Arzt die Dosierung ändert oder ein anderes Medikament verschreibt.

Training der Blasenentleerung hilft oft

Bei beginnender Demenz kann ein Training der Blasenentleerung, beispielsweise in Form eines Beckenbodentrainings, Erfolg bringen. Ist die Demenz fortgeschritten, kann man versuchen, den Patienten dazu zu bewegen, regelmäßig zu bestimmten Uhrzeiten oder in festgelegten Abständen nach den Mahlzeiten die Toilette aufzusuchen. Das Geräusch von fließendem Wasser oder die Massage des Unterbauchs können dann das Wasserlassen erleichtern.

Helfen diese Maßnahmen nicht weiter, kann der Arzt die Dranginkontinenz mit bestimmten Medikamenten behandeln. Häufig kann die Inkontinenz zwar nicht vollständig beseitigt, aber so weit abgemildert werden, dass der Betroffene noch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.

Einige wenige Demenz-Kranke haben das Problem, den Harn nicht entleeren zu können. Manchmal tragen Antidepressiva, die häufig bei einem anhaltenden Stimmungstief verordnet werden, zu diesem Problem bei. Kann der Arzt dieses Problem nicht durch eine Medikamentenumstellung beseitigen, muss die Blase mehrmals am Tag mit Hilfe eines in die Blase eingeführten Katheters entleert werden, damit es durch den Rückstau des Urins in der Blase nicht zu Entzündungen kommt. Bei manchen Patienten muss der Harn durch einen Dauerkatheter abgeleitet werden.

Möglichst bald den Arzt aufsuchen

Wichtig ist für pflegende Personen, möglichst bald einen Arzt zu Rate ziehen, wenn sie eine Harninkontinenz beim Kranken bemerken, denn in vielen Fällen kann das Problem zumindest gebessert werden. Häufig kann darüber hinaus eine Heimeinweisung aufgrund einer Inkontinenz durch eine geeignete Behandlung hinausgezögert werden.

Quelle:

  1. Ärztezeitung vom 19.02.2008
  2. Füsgen/Wiedemann, Notfall & Hausarztmedizin 33, 2007, 585
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