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Mitteilung vom 20.02.2008

Neues Pflegemodell: Alltagshaus soll Angehörige unterstützen

Eine Tagespflegeeinrichtung für Demenzkranke

Wenn Angehörige Alzheimer-Patienten pflegen, sind sie mit der Betreuung rund um die Uhr häufig überfordert. Den Kranken in einem Pflegeheim unterzubringen bereitet jedoch auch oft Probleme: Zum einen möchten die Betroffenen meist lieber in der vertrauten Umgebung bleiben, zum anderen bedeutet ein Pflegeheim auch eine finanzielle Belastung. Nun haben zwei junge, examinierte Altenpfleger eine Idee entwickelt, wie man diesen Problemen begegnen kann: das Alltagshaus.

Zeitweise Entlastung für Pflegende: Das Alltagshaus

Das Alltagshaus soll eine bezahlbare, patientengerechte und flexible Betreuung bieten: Tage- oder stundenweise können die Demenz-Kranken hier untergebracht werden. Abgerechnet wird über eine Chip-Karte. Wer einem pflegenden Angehörigen oder Freund etwas Gutes tun will, kann ihm einen "Gutschein" für einen Aufenthalt des Kranken im Alltagshaus schenken.

Reinert und Bollinger, die Urheber der Alltagshaus-Idee, kennen die Probleme beim Umgang mit geistig erkrankten Menschen aus eigener Erfahrung: Sie arbeiten in einer Dementenwohngruppe und haben eine Zusatzausbildung als Wohngruppenleiter und im Fachbereich Gerontopsychiatrie absolviert.

Bei der Beschäftigung mit den Patienten lassen sich die beiden auch etwas einfallen, wie beispielsweise Ausflüge mit den Kranken zum Picknick in den Park. Der Grundgedanke dabei ist, den Kranken so viel Alltag wie möglich und so viel Unterstützung wie nötig zu bieten. Dass die Demenzkranken sich nicht lange an derartige Unternehmungen erinnern, nimmt den beiden nicht die Motivation. Was für sie zählt, ist die gute Laune der Kranken, die oft noch einige Tage nach einer solchen Aktivität anhält.

Pflege-Image und Image-Pflege

Reinert und Bollinger möchten das soziale Image der Altenpflege und insbesondere der Beschäftigung mit geistig erkrankten Menschen in der Gesellschaft verbessern. Öffentlichkeitsarbeit ist dabei unerlässlich, sei es bei einem Besuch im Gesundheitsministerium oder bei Auftritten in Talkshows.

Zur Finanzierung des Alltagshauses soll nicht nur die Pflegekasse herangezogen werden. Betriebe und Firmen aus der Umgebung, die sich finanziell daran beteiligen, die Häuser einzurichten und zu gestalten, sollen dafür einen Platz auf Werbeflächen erhalten – Imagepflege für die Unternehmen.

Der Name der Einrichtung, "Laternenträger" soll als Marke bekannt gemacht werden und beispielsweise auf T-Shirts und Taschen getragen werden: Auch dies soll Geld für die Einrichtung bringen. Die kreativen Altenpfleger haben einen Finanzierungsplan erstellt, der von der Beratungsfirma McKinsey für gut befunden wurde. Bemängelt wurde lediglich, dass die beiden zu wenig am eigenen Gewinn orientiert seien. Dies nehmen sich Reinert und Bollinger nicht zu sehr zu Herzen. Es geht ihnen eben mehr um die Sache, nämlich eine effektive und neuartige Altenpflege zu etablieren, als um den Profit. Von künftigen Mitarbeitern erwarten die beiden ebenfalls Einsatzfreude, Kreativität und Sozialkompetenz, auch wenn die Bezahlung im Beruf des Altenpflegers gering ist.

Im Sommer 2008 soll das Alltagshaus eröffnen. Die fehlenden 300.000 bis 400.000 Euro wollen Reinert und Bollinger z. B. über Stadträte, Landtags- und Bundestagsabgeordnete, lokale Unternehmen und Organisationen bekommen.

Quellen:

  1. Spiegel-online: www.spiegel.de vom 5.12.2007
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