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Mitteilung vom 13.09.2007
Alzheimer-Kranke oft nicht ausreichend behandelt
Studie weist unzureichende Verschreibung wirksamer Präparate nach.
Was Medikamente können: Verlangsamung des Krankheitsverlaufs
Spezielle Demenzmedikamente, wie beispielsweise Cholinesterase-Hemmer, sind bei leichter bis mittelschwerer Demenz wirksam. Sie können das Fortschreiten der Symptome wie Gedächtnisverlust, Orientierungslosigkeit und geistige Leistungseinschränkungen verzögern. Auch bei Verhaltensauffälligkeiten wie Schlafstörungen, Unruhe und Aggressionen können Cholinesterase-Hemmer zunächst Linderung bewirken. Eine Heilung kann mit den aktuellen Medikamenten zwar nicht erzielt werden. Aber auch eine Stabilisierung des Zustandes oder eine Pflegeerleichterung über einen gewissen Zeitraum können bereits als Behandlungserfolg betrachtet werden.
Medizinische Leitlinien empfehlen Medikamente: Früh und ausreichend lange
Da der Nutzen solcher Demenz-Arzneimittel wie Cholinesterase-Hemmer in
mehreren Studien bestätigt wurde, empfehlen medizinische Leitlinien den Einsatz
dieser Medikamente. Die Behandlung sollte beginnen, sobald fest steht, dass
der Patient an der Alzheimer-Krankheit leidet. Wird mit der Behandlung erst
spät begonnen, kann der Nutzen, den schon früh behandelte Demenz-Patienten
von der Therapie haben, nicht mehr aufgeholt werden.
Die Behandlung sollte nicht frühzeitig abgebrochen werden. Der Effekt
einer medikamentösen Behandlung kann nämlich oft erst nach sechs
Monaten beurteilt werden. Nach drei Monaten lassen sich häufig erste Erfolge
beobachten.
Alzheimer-Medikamente werden zu selten verordnet
Vor Kurzem gab der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (VFA) ein Gutachten in Auftrag, um herauszufinden, ob Patienten in Deutschland gemäß den medizinischen Leitlinien mit Medikamenten versorgt werden. Die Analyse zeigte eine Unterversorgung von mindestens 74 % der Demenzpatienten mit Antidementiva. In einer Untersuchung zur Medikation demenzkranker Heimbewohner zeigte sich sogar, dass nur 13 Prozent der dementen Bewohner eine Behandlung mit Antidementiva erhielt. Berücksichtigt man diese und weitere Studien, wird nur jeder fünfte bis achte Alzheimerkranke in Deutschland so behandelt, wie es die medizinischen Behandlungs-Leitlinien vorsehen. Mehrere Gründe sind für eine solche Unterversorgung denkbar: Manche Ärzte sind nicht ausreichend über den Nutzen der Medikamente informiert. Ein weiterer möglicher Grund kann sein, dass Ärzte wegen der Budgetierung zu Einsparungen bei den Medikamenten, die sie verschreiben, gezwungen sind.
Kranke und Pflegende haben das Nachsehen
Diese Unterversorgung hat nicht nur Auswirkungen auf die Erkrankten selber, sondern sie belastet auch indirekt die Familienangehörigen, die zu 80 Prozent die Pflege- und Betreuungsarbeit leisten.
Quelle: Prof. Dr. Dr. med. Reinhard Rychlik: Gutachten über die Unterversorgung mit Arzneimitteln in Deutschland für den Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V., Mai 2007.
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