Inhalt

Psychologische Hilfestellungen

Durch die Beachtung einfacher Grundregeln können Bezugspersonen lernen, den Betroffenen besser zu verstehen, mit vielen Krankheitssymptomen reibungsloser zurechtzukommen und die verbliebenen Fähigkeiten des Patienten wirksamer zu nutzen.

Selbsthilfegruppen bieten eine sehr gute Möglichkeit, sich psychologische Verfahren anzueignen. Eine intensive Beratung der pflegenden Angehörigen kann helfen, die familiäre Versorgung zu stabilisieren und vorzeitige Heimunterbringungen zu vermeiden.

  • Erkennen Sie die Sichtweise des Patienten als für ihn gültig an.
  • Vermeiden Sie fruchtlose Diskussionen.
  • Lenken Sie ab anstatt zu konfrontieren.
  • Nutzen Sie nichtsprachliche Verständigungsmöglichkeiten, wie z. B. die Körpersprache.
  • Erkennen und verstärken Sie verbliebene Fähigkeiten.

Die zwischenmenschlichen Beziehungen und die unmittelbare Wohnumgebung üben bei einem Alzheimer-Kranken einen viel stärkeren Einfluss auf das Verhalten aus als bei einem gesunden älteren Menschen. Der Kranke möchte in das Familienleben mit eingebunden sein, braucht aber auch eine geschützte Privatsphäre. Daneben ist es wichtig, bei der Gestaltung der Wohnräume nicht nur auf Orientierungshilfen und Beseitigung von Gefahrenquellen zu achten, sondern auch Farben, Lichtquellen und Materialien mit einzubeziehen.

Im Folgenden sind Aspekte der zwischenmenschlichen Beziehung aufgeführt, wie sie im Verlauf der Erkrankung auftreten können, und wie damit umgegangen werden kann.

Trauer

Sehr wahrscheinlich werden Sie Trauer empfinden, wenn Sie daran denken, wie Ihr Angehöriger früher war. Vielleicht überlegen Sie auch, warum die Krankheit gerade ihn und damit auch Sie getroffen hat. Vermutlich trauern Sie um schöne gemeinsame Jahre, die Ihnen die Krankheit nimmt.

Tipps
  • Unterdrücken Sie die Gedanken und Empfindungen der Trauer nicht. Sie helfen Ihnen, über den Verlust hinwegzukommen.
  • Sprechen Sie mit anderen Menschen über Ihre Gefühle.
  • Halten Sie das Bild des Patienten in Ihrem Herzen lebendig, wie Sie ihn in gesunden Tagen gekannt haben

Vertauschte Rollen

Die zunehmende Hilfsbedürftigkeit des Patienten kann zu einer Umkehr der früheren Rollenverhältnisse führen. Es wird Ihnen wehtun, die eigene Mutter oder den Vater, der immer ein Vorbild war, im Zustand der Hilflosigkeit und Abhängigkeit zu erleben. Sie werden sich verlassen fühlen, wenn Sie plötzlich alle Aufgaben übernehmen müssen, die früher Ihr Ehepartner erledigt hat.

Tipps
  • Halten Sie sich vor Augen, dass die Bewältigung der Probleme, die die Krankheit verursacht, eine gemeinsame Aufgabe ist.
  • Hüten Sie sich vor einem Schwarz-Weiß-Denken: Der Betroffene ist nicht mehr so selbstständig wie früher, aber er ist auch nicht in jeder Hinsicht abhängig und hilfsbedürftig.
  • Versuchen Sie, die erhaltenen Fähigkeiten des Patienten, zu denen auch Erinnerungen und soziale Umgangsformen zählen, zu erkennen und zu fördern.


Wut

In Ihrer Situation ständiger seelischer Anspannung und körperlicher Belastung sind Wut und Enttäuschung ganz natürliche und verständliche Empfindungen. Es ist normal, dass Sie auch einmal die Beherrschung verlieren.

Tipps
  • Denken Sie daran, dass Sie eine der schwierigsten Aufgaben erfüllen, die ein Mensch bewältigen kann.
  • Fordern Sie nicht von sich, perfekt zu funktionieren.
  • Gerade weil Sie Gefühle haben, können Sie dem Patienten helfen.
  • Sprechen Sie mit anderen Menschen über Ihre Empfindungen.
  • Der Patient vergisst rascher als Sie.

Peinlichkeit

Es kann sein, dass Sie sich wegen des Verhaltens des Kranken schämen. Vielleicht würden Sie am liebsten niemanden mehr zu sich einladen und nicht mehr gemeinsam ausgehen. Damit helfen Sie aber weder dem Patienten noch sich. Dem Betroffenen rauben Sie wichtige Erlebensmöglichkeiten und sich selbst bringen Sie noch stärker in die Isolation.

Tipps
  • Informieren Sie Ihre Freunde und Bekannten über die Krankheit.
  • Indem Ihre Freunde und Bekannten befremdliche Verhaltensweisen tolerieren, leisten sie einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Bewältigung der Krankheit.

Schuldgefühle

Es gibt viele Gründe, als Angehöriger eines Alzheimer-Patienten Schuldgefühle zu haben. Vielleicht überlegen Sie, ob Sie das Ausbrechen der Krankheit hätten verhindern können. Möglicherweise machen Sie sich Vorwürfe, weil Sie manchmal die Beherrschung verlieren oder weil Sie schon daran gedacht haben, den Patienten in ein Pflegeheim zu geben. Wahrscheinlich quält Sie der Gedanke, dass Sie nicht genügend für den Patienten tun. All diese Schuldgefühle sind unbegründet.

Tipps
  • Ihr Verhalten hatte auf die Entstehung der Alzheimer-Krankheit keinen Einfluss.
  • Sie können für den Patienten nicht mehr tun, als in Ihren Kräften steht.
  • Sprechen Sie mit anderen Menschen über Ihre Gefühle.